Bluthochdruck

Wir möchten mit unserer Ernährungstherapie einen Beitrag zu Ihrer Gesundheit leisten. Uns ist wichtig, dass Sie Ihre Erkrankung verstehen. Es ist Ihr Körper und Sie sollen wissen, was bei Bluthochdruck passiert. Auf diese Weise können Sie selber entscheiden, welche Hilfestellungen Sie für sinnvoll halten und welche nicht. Daher versuchen wir auf dieser Seite häufig aufkommende Fragen zu beantworten.

Ihr Blutdruck wird mit zwei Werten angegeben, beispielsweise 120/80 mmHg.

Zuerst zur Einheit:
mmHg steht für Milimeter Quecksilbersäule. 120 mmHg bedeutet also, dass der vom Blut in den Gefäßen erzeugte Druck so hoch ist wie der statische Druck einer 120mm hohen Säule aus Quecksilber. Diese Einheit finden Sie nur in der Medizin und nur beim Bluthochdruck.

Die beiden Zahlen stehen für den Blutdruck in zwei verschiedenen Phasen der Herzaktion. Der erste Wert ist der systolische Blutdruck während der Austreibungsphase (Systole) des Herzens. Das Herz zieht sich zusammen und presst das Blut in alle Bereiche des Körpers.
Der zweite Wert wird während der Füllungsphase (Diastole) des Herzens gemessen. Das Herz erschlafft und daher ist der zweite Wert niedriger als der erste.

Als optimalen Blutdruck sieht man Werte unter 120/80 mmHg an.
Liegt der obere systolische Wert über 140 und/oder der untere diastolische Wert über 90 mmHg, haben Sie laut Definition einen Bluthochdruck. Die medizinische Bezeichnung dafür ist arterielle Hypertonie.
Eine einzige Messung hat jedoch noch keine Aussagekraft. Es sollten mehrere Messungen an verschiedenen Tagen stattfinden und der Blutdruck an beiden Armen gemessen werden. Finden Sie dabei regelmäßig erhöhte Werte, sollten sie Ihren Arzt aufsuchen.
Bluthochdruck kommt meist still und heimlich. Sie fühlen sich gesund und zufällig stellt Ihr Hausarzt bei einer Routinemessung erhöhte Werte fest.
Daher ist es ratsam, selber regelmäßig seinen Blutdruck zu kontrollieren (s. Wie messe ich selber meinen Blutdruck am besten?).

Insbesondere wenn mehrere dieser Symptome auftreten, sollten Sie Ihren Blutdruck überprüfen:
– morgendliche Kopfschmerzen
– Schwindelgefühl
– Sehstörungen, Flimmern vor den Augen
– Rötliche Gesichtsfarbe
– Schlafstörungen und Müdigkeit
– Kurzatmigkeit
– Nervosität

Medizinisches Fachpersonal misst den Blutdruck in der Regel nach Riva-Rocci mit Hilfe einer aufpumpbaren Manschette und einem Stethoskop. Dabei lauscht man auf die Strömungsgeräusche, die durch den Blutfluss erzeugt werden.
Anfangs wird die Manschette stramm aufgepumpt und der Blutfluss unterbunden. Nun wird langsam Luft aus der Manschette abgelassen. Sobald der Blutdruck höher ist als der Manschetten-Druck, kann ein Strömungsgeräusch wahrgenommen und der zugehörige systolische Blutdruckwert notiert werden. Verschwinden beim weiteren Erschlaffen der Manschette die Strömungsgeräusche komplett, markiert dies den diastolischen Wert.

Besteht nun der Verdacht auf eine arterielle Hypertonie, wird Ihr Arzt wahrscheinlich weitere Untersuchungen anschließen. Dazu gehören eine Wiederholung der Messung in den nächsten Tagen, ein EKG von Ihrem Herzen und eine Langzeit-Blutdruckmessung.

Für den Hausgebrauch bietet sich die „oszillometrische Blutdruckmessung“ an. Damit ist die Nutzung eines automatischen Messgerätes gemeint.

Diese Messgeräte sind sowohl für das Handgelenk als auch den Oberarm zu erwerben.
Der Vorteil bei den Handgelenk-Geräten ist die Anwendung unabhängig von Ihrem Körperbau. Sollten Sie sich für ein Oberarm-Messgerät entscheiden, muss die Manschette die passende Größe haben:
– Bis 32cm Oberarmumfang => Manschettenbreite 12-13 cm
– Über 32 cm Oberarmumfang => Manschettenbreite 15-18cm

Folgende Punkte sollten Sie ebenfalls beachten:
– bis 60 Minuten vor der Messung keinen Kaffee trinken
– in den 30 Minuten vor der Messung nicht rauchen
– ruhen Sie vorher mindestens 5 Minuten sitzend
– das Messgerät soll sich während der Messung auf Herzhöhe befinden
– halten Sie während der Messung still

Zertifizierte Blutdruckmessgeräte finden Sie auf der Homepage der Deutschen Hochdruckliga e.V. : https://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html

Nur bei 15% der Patienten kann eine definitive Ursache für den Bluthochdruck gefunden werden. Mögliche Auslöser können Erkrankungen der Niere, Ungleichgewichte im Hormonsystem wie eine Schilddrüsen-Überfunktion oder Verengungen in den Blutgefäßen sein. Man spricht dann von „sekundärer Hypertonie“.
Ihr erfahrener Hausarzt wird diese Ursachen bei der Erstdiagnose vom Bluthochdruck überprüfen.

Bei den restlichen 85% der Personen mit Bluthochdruck kann man nur vermuten, woher der Bluthochdruck kommt und Ihr Arzt nennt es „primäre Hypertonie“:
Manche haben es von ihren Eltern über die Gene in die Wiege gelegt bekommen.
Andere haben ein Leben lang ungesund gegessen und die abgelagerten „schlechten“ Fette verstopfen nun die Gefäße.
Einige haben ständig so viel Aufregung und Hektik im Alltag, dass die Stresshormone den Blutdruck heben. Diese Stresshormone können ebenfalls erhöht sein, wenn Sie am „Obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom“ leiden, d.h. nachts stark schnarchen und immer wieder Atempausen von einigen Sekunden haben. Davon bekommen Sie meistens nichts mit, Ihre Partnerin / Ihr Partner dafür um so mehr.
Möglicherweise spielt sogar schon die Ernährung während der Schwangerschaft Ihrer Mutter eine Rolle und wie sie als Baby mit Nährstoffen versorgt wurden.

Viele weitere Umstände werden diskutiert und erforscht.

Insgesamt kann man festhalten, dass es bei der Mehrheit der Patienten eine Kombination mehrerer Faktoren ist.

Die schlechte Nachricht zuerst: Bis die genauen Mechanismen für die Regulierung des Blutdrucks alle aufgeklärt sind und man jedem Patienten seine persönliche Ursache nennen kann, wird es noch lange dauern.

Die gute Nachricht ist, dass Sie diese primäre Hypertonie selber sehr gut behandeln können. Lesen Sie einfach weiter!

Stellen Sie sich Ihre Blutgefäße wie einen Schlauch vor. Ist der Druck ständig zu hoch, bilden sich winzige Risse in der Wand. Auf lange Sicht gehen die Gefäße kaputt. Durch die ständigen Reparaturprozesse der Risse „verkalken“ die eigentlich elastischen Wände der Gefäße (Arteriosklerose) und die Durchblutung wichtiger Organe nimmt ab. Außerdem wird das Herz überfordert, weil es mehr Druck erzeugen muss als es eigentlich gewöhnt ist.

Im Alter von über 50 Jahren hat der systolische Wert nach aktuellem Wissensstand vermutlich mehr Aussagekraft bezüglich möglicher Organschäden.

Am sensibelsten auf zu hohe Blutdruckwerte reagieren das Gehirn und die Niere. Daher sind häufige Komplikationen bei einem unbehandelten Bluthochdruck ein Schlaganfall oder ein Nierenversagen.
Weil der Blutdruck im ganzen Körper erhöht ist, können auch überall Schäden auftreten.
Bei einem erhöhten Blutdruck haben Sie u.a. für folgende Erkrankungen ein erhöhtes Risiko, aufgelistet von Kopf bis Fuß:
– Demenz
– Erblindung
– Tinnitus
– Herzinfarkt
– Herzmuskelschwäche
– Darminfarkt
– Erektile Dysfunktion (Potenzstörung)
– Periphere arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“)

Wir möchten Ihnen hiermit keine Angst einjagen. Ihnen soll nur klar sein, dass Bluthochdruck eine ernst zu nehmende Erkrankung ist.

Achten Sie auf Ihren Bluthochdruck, tun Sie Ihrem gesamten Körper etwas Gutes!

Wichtig: An dieser Stelle möchten wir Sie ausdrücklich bitten, alle Entscheidungen mit Ihrem behandelnden Arzt abzusprechen. Ihr Arzt kennt Sie am besten und kann die beste Therapie für Sie überlegen. Wir möchten Sie nur dabei unterstützen.

Für Ärzte gibt es eine Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck. Das ist eine Zusammenfassung von medizinischen Experten, die alle aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur arteriellen Hypertonie aufarbeiten und bewerten.

Ein Zitat aus dieser Leitlinie besagt:
„Lebensstiländerungen sind entscheidend in der Prävention (= Vorbeugung, Anm. des Autors) der Hypertonie, sind aber ebenso bedeutsam in deren Behandlung. Sie können sicher und effektiv der Entstehung einer Hypertonie vorbeugen, sie verzögern oder vermeiden eine medikamentöse Therapie beim Hypertonie-Grad 1 (Blutdruckwerte systolisch 140-159 mmHg und/oder diastolisch 90-99mmHg, Anm. des Autors) und können bei hypertensiven Patienten eine Blutdrucksenkung bewirken. Neben dem blutdrucksenkenden Effekt tragen Sie auch dazu bei, andere Risikofaktoren oder Erkrankungen besser in den Griff zu bekommen.“

Daher werden Lebensstiländerungen in allen Stadien vom Bluthochdruck sowie bereits bei hochnormalen Werten (130-139 bzw. 80-85mmHg) empfohlen.

Die aktuell gültige Leitlinie von 2014 können Sie bei Interesse hier nachlesen:
https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf

Eine Lebensstiländerung setzt sich aus mehreren Säulen zusammen.

1. Stress abbauen:
Planen Sie einen geordneten Tagesablauf mit genügend Pausen für Erholung und Entspannung.

2. Weniger Alkohol trinken:
In sehr geringen Mengen können Sie Alkohol trinken, ohne dass es Ihnen schadet.
Für Frauen ist ein Glas Wein pro Tag akzeptabel, Männer dürfen bis zu 2 Gläser Wein oder ein großes Glas (0,5 Liter) Bier trinken.
Alles darüber sollten Sie vermeiden.

3. Mit dem Rauchen aufhören:
Bitte stoppen sie sofort mit dem Rauchen. Komplett. Bitte. Jede Zigarette ist Gift für Sie.

Ihr Hausarzt wird sich freuen, wenn Sie von sich aus erscheinen und mit dem Rauchen aufhören wollen. Er kann Ihnen wertvolle Tipps geben und sinnvolle Bücher als Ratgeber empfehlen.

4. 30min Bewegung pro Tag:
Großen Einfluss auf Ihre Gesundheit hat Bewegung. Dabei muss es sich auch gar nicht um Sport handeln. Wichtig ist nur, dass Sie körperlich aktiv sind.
Auto waschen, Laub harken, Gartenarbeit, Fenster putzen, alles sind Tätigkeiten, bei denen Ihr Herzkreislauf-System trainiert wird.
Für Sport-Einsteiger empfehlen sich Disziplinen wie Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Joggen.
Wählen Sie einfach das aus, was Ihnen am meisten Spaß macht.
Am Ende jedes Tages sollten Sie auf 30 Minuten Bewegung kommen. Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich Ihr Wohlbefinden verbessert.

5. Gesund ernähren:
Über die Auswahl Ihrer Lebensmittel können Sie Ihren Blutdruck ähnlich effektiv senken wie mit einem Medikament.
Es existieren viele ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse, die in Studien festgestellt wurden. Dazu gehören allgemeine Grundsätze wie viel Obst und Gemüse genauso wie solche Feinheiten, dass Knoblauch sehr gut den Blutdruck senken kann.
Wir haben alles für Sie in unserer App zusammengefasst , damit Sie das positive Potential der Ernährung optimal für Ihren Blutdruck einsetzen können.

Fachinformationen für Ärzte

Medizinische und ernährungswissenschaftliche Fachinformationen haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Fachinformationen